Der Einzelhandel befindet sich täglich im Spannungsfeld zwischen dem Einsatz neuster technologischer Möglichkeiten – um nicht den Anschluss an die Online-Konkurrenz zu verpassen – und dem Beibehalten der Vorteile eines stationären Geschäfts: dem direkten Kontakt mit dem Kunden und der persönlichen Interaktion. Ziel ist es immer, das Einkaufserlebnis für den Kunden so perfekt wie möglich zu gestalten.
Ladendiebstahl vs. ideales Einkaufserlebnis
"Ladendiebstähle verhindern ein solches ideales Einkaufserlebnis. Finden Kaufinteressierte einen bestimmten Artikel nicht, verschieben sie den Kauf oder wechseln das Geschäft, was den Kauf weiterer Produkte verhindert. Artikel, die laut Bestandsübersicht noch im Geschäft vorhanden sein sollten, aber zwischenzeitlich gestohlen wurden, sind so für den Händler doppelt bitter”, erklärt Miguel Garcia Manso, Warensicherungsexperte von Checkpoint Systems. „Denn zum wirtschaftlichen Schaden kommen unzufriedene potenzielle Käufer hinzu.”
Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel
Auf über drei Milliarden Euro summiert sich laut EHI jedes Jahr der wirtschaftliche Schaden, der durch Ladendiebstähle von Kunden, Mitarbeitenden, Lieferanten und Servicekräften verursacht wird. Die neusten Zahlen zur Entwicklung der Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel werden auf dem jährlich stattfindenden EHI Inventur- und Sicherheitskongress in Köln (25. und 26. Juni 2019) vorgestellt.Handel rüstet sich gegen Diebstähle
Viele Händler installieren an ihren Eingängen elektronische Artikelsicherungssysteme (EAS-Systeme), die auf korrespondierende Sicherheitsetiketten an den Produkten reagieren. “Diese Etiketten lösen beim Verlassen des Geschäfts einen Alarm aus, sollten sie nicht wie vorgesehen an der Kasse deaktiviert worden sein”, beschreibt Garcia Manso die Funktionsweise. “Wir beobachten in den letzten Jahren branchenübergreifend einen Trend hin zur Sicherung besonders diebstahlgefährdeter Produkte”, wie z.B. Smartphones. Wer es auf diese Produkte abgesehen hat, wird in der Fachsprache meist als „High Theft“ bezeichnet, dem es nicht mehr um kleine Gelegenheitsdiebstähle geht. Das EHI-Institut schätzt, dass wertmäßig etwa ein Viertel der Diebstähle auf organisierte Banden bzw. organisierte Kriminalität entfällt.
Unsichtbare Sicherung dank RFID
Während einige Händler auf Abschreckung durch offen sichtbare EAS-Antennen oder Überwachungskameras setzen, wünschen sich andere eine weitestgehend unsichtbare Warensicherung. „Radiofrequenzbasierte oder kurz RFID-basierte Sicherheitssysteme können sowohl Überkopf – an der Decke – als auch unterhalb des Bodens installiert werden und sind damit beinahe unsichtbar, im Unterschied zu den klassischen, optisch auffälligen Antennen im Eingangsbereich eines Ladens“, sagt Garcia Manso. „Einzelhändler haben dadurch mehr Gestaltungsmöglichkeiten im Eingangsbereich.“Alltagstauglichkeit von Warensicherung
Wichtig bei der Installation von Warensicherungssystemen ist immer deren Alltagstauglichkeit. Die täglichen Arbeitsabläufe des Ladens sollten durch das höhere Sicherheitslevel nicht beeinträchtigt werden. “Warensicherung ist eine Partnerschaft zwischen Hersteller und Einzelhändler. Die Lösungen müssen ablauforientiert sein und den Arbeitsalltag nicht komplizierter machen”, erklärt Garcia Manso.